Seit meinem Aufenthalt im Klinikum Großhadern auf der Station für Knochenmarktransplantationen sind nun bereits mehr als 2 Jahre vergangen und es ist eine ganze Menge passiert. Im Februar 2007 kämpfte ich mit dem Noro-Virus, der mich sechs Wochen lang quälte. Danach ging es sehr schnell wieder aufwärts und zusammen mit meinen Ärzten in der Ambulanz in München beschlossen wir, alle Medikamente abzusetzen, auch die bisher geltenden Einschränkungen bezüglich Essen und des Aufenthalts in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen wurden damit aufgehoben. Ende Mai 2007 bekam ich plötzlich überall blaue Flecken am Körper. Allein die Befürchtung, dass die Leukämie wieder zurückgekehrt sein könnte, war ein Schock für mich und meine Familie. |  |
Eine umgehend durchgeführte Knochenmarkpunktion ergab, dass nicht die Leukämie, sondern eine Autoimmunerkrankung (Morbus Werlhof ) meinen Körper befallen hatte. Die Erleichterung über dieses Ergebnis, ließ mich die Nebenwirkungen der Kortisonbehandlung einigermaßen mit Humor tragen. Meine Backen wurden wieder kugelrund, ich bekam Appetit für Zwei, außerdem Blähungen und Medikamentendurchfall.
Kortison hoch dosiert putscht auch sehr auf, dass ich entweder nachts nicht durchschlafen konnte oder bis um 3.00Uhr morgens vor dem PC saß und um kurz nach 6.00Uhr wieder fit war.
Meine Blutwerte wurden schleppend wieder besser, das Kortison konnte in kleinen Schritten reduziert werden. Ich hatte innerhalb von sechs Wochen 20kg zugenommen. Es war zum Heulen, jeden Morgen ein Kilo mehr auf der Waage, aber ich erinnerte mich an Zeiten zu Beginn des Jahres, als ich wegen des Noro-Virus nicht einen Schluck Wasser bei mir behalten konnte und war froh, dass die Therapie mit Kortison angeschlagen hatte. Im September war es mir dann wieder gestattet, Sport zu treiben und auch mein Schlafrhythmus wurde wieder normal. Mein geplanter Wiedereinstieg in den Beruf verzögerte sich dadurch natürlich, aber auch hier galt: Hauptsache erst mal gesund. Auch meinen Kater, der ein Jahr lang bei einer lieben Freundin in Mössingen-Belsen als „Gastkatze“ wohnen durfte, konnte ich wieder zu mir nehmen. Im Oktober war „Familienbetreuung“ angesagt, habe meinen Bruder, der Spender meiner Stammzellen und meines Knochenmarks, bei mir in Hechingen einquartiert und mich um ihn gekümmert. Er hatte ein bisschen Pech und war auf der Suche nach Arbeit und einem neuen Anfang. Der Rest des Jahres verging wie im Flug mit Markus großer Geburtstagsfeier hier in Stetten, meinem Geburtstag, Vorbereitungen für Weihnachten und schon war wieder Silvester und das Neue Jahr 2008 begann. Ich kann und möchte nicht verhehlen, dass ich ab 08.Oktober sehr viel an die Zeit vor einem Jahr gedacht habe und glücklich bin, dass sich alles so gut entwickelt hat. Und es blieb dabei: Am 15. Januar in München die Bestätigung, dass ab sofort das Kortison komplett abgesetzt werden konnte - welche Freude! Ansonsten: keine weiteren Tabletten mehr! Nun stand der Planung und der Umsetzung des „wirklichen“ Lebens nichts mehr im Wege. Bereits im September 2007 haben wir - hauptsächlich Opa Berthold - hier in Stetten begonnen, das Dachgeschoß auszubauen, um dort u.a. mein Büro einrichten zu können. Der Entschluss steht fest, dass unsere Familie hier in Stetten bleiben wird. Ich wurde hier so nett aufgenommen und fühle mich sehr wohl. Mir fällt es natürlich nicht leicht, Hechingen den Rücken zu kehren. Ich habe schließlich mit kurzer Unterbrechung während des Studiums annähernd 35 Jahre in Hechingen verbracht. Die Freunde und Bekannte, ehemalige Schulkameraden, die netten Nachbarn und die vielen Menschen, die mich kennen und mich während meiner Krankheit so sehr unterstützt haben, so etwas lässt man nur mit sehr viel Wehmut zurück.
Der Ausbau des Dachgeschosses ist nun fertiggestellt.
Mein beruflicher Wiedereinstieg in den neuen Räumen ist seit Anfang Juli 2008 offiziell erfolgt.
Gesundheitlich sind meine Werte stabil. Die letzte Untersuchung in München am 15. Juli 2008 ergab, dass auch hier alle Werte stabil und richtig positiv sind. Die Ärzte sind sehr zufrieden und befürworten meine Berufstätigkeit sehr. Ich habe ganz normale Erkältungen und Infekte, die wie bei anderen auch behandelt werden und nach derselben Zeit auch wieder weg sind. Meiner kleinen Familie, vor allem meinem inzwischen ganz schön großen Johannes, geht es richtig gut. Wir leben zusammen, wie jede andere Familie auch, ich versuche so viele schöne Momente als möglich zu genießen und kann nur hoffen, dass alles so weiter geht.
Als Fazit kann ich nur sagen: Es lohnt sich, durchzuhalten, an eine Genesung fest zu glauben, und sich Zeit zu nehmen, dass man nach der anstrengenden Behandlung wieder auf die Beine kommt. Wenn man so tolle Freunde hat und wie es mir widerfahren ist, von neuen Menschen vorurteilsfrei in deren Mitte aufgenommen wird, einem ständig Mut zugesprochen und Unterstützung angeboten wird, dann kann man sich glücklich schätzen und jeden Tag ein bisschen mehr gesund werden.