Wer hilft meiner Mami?

Suche nach Stammzellspender für Sabine Osswald bislang erfolglos

Datum: Donnerstag, 12. Oktober 2006
Thema: aktuelle News

Odyssee nach München zur Transplantation beginnt trotzdem.

Fünf Monate nach der großen Suchaktion für einen Stammzellspender: Sabine Osswald leidet am Myelodysplastischen Syndrom und sie besitzt eine sehr seltene Kombination von Gewebemerkmalen. Bislang konnte kein Spender für sie gefunden werden, trotz des Engagements der Bevölkerung im vergangenen April. Die Zeit drängt und ihre Ärzte versuchen eine Alternativlösung für eine erfolgreiche Transplantation zu finden.



1957 Menschen haben sich am 09. April 2006 in Hechingen bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registrieren lassen, um sich für eine Stammzellspende zur Verfügung zu stellen. Weitere 1243 Menschen ließen sich am 24. Mai in Tuttlingen, der Heimat von Sabines Lebensgefährten, darin aufnehmen. Alle in der Hoffnung, Sabine Osswald bei ihrem Schicksal zu helfen und die Möglichkeit zu schaffen, ihr Lebensretter und Stammzellspender zu werden. Was ist nun geschehen - fünf Monate nach der turbulenten Suche?

Nach dem Aktionsrummel habe sie die Möglichkeit besessen ein wenig durchzuatmen, berichtet Sabine, und die Chance gehabt ein „normales“ Leben zu führen, während sie den Ergebnissen der Aktionen entgegenfiebert habe. „Einerseits genoss ich es, mich einigermaßen frei zu bewegen, jedoch führte dies Mitte Juni dazu, dass einige Infekte meine kompletten Blutwerte durcheinander brachten“. Ihr Arzt rät aufgrund der Lage nun zu handeln. Eine Transplantation sei von Nöten, um eine weitere Verschlechterung der Ausgangssituation zu verhindern.

Sabine selbst hat eine Woche dafür gebraucht, um sich zur Transplantation durchzuringen. Es sei keine leichte Entscheidung. „Man weiß, man ist krank, aber wenn es wirklich so weit ist, tut sich doch der Abgrund auf.“ Aber die äußeren Umstände drängen, schließlich ist dem Blutkrebs auf andere Art und Weise nicht beizukommen.

Zwei Fremdspender kamen für Sabine Osswald in die nähere Auswahl, ein Hoffnungsschimmer bestand also durchaus. Es müssen allerdings gewisse Gewebemerkmale in jedem Fall übereinstimmen, damit sich das gespendete Knochenmark nicht gegen den eigenen Organismus richtet (GvH-Reaktion = guest versus host - Reaktion). Passiert dies, werden die Organe angegriffen und versagen im Ernstfall. Aus diesem Grund schieden beide Fremdspender für Sabine aus; die Risiken für eine GvH-Reaktion waren zu hoch.

Die Zeit drängt inzwischen, Sabine hat in den letzten Monaten mehrere Infekte erlitten, ihre Abwehrkräfte und ihr Körper werden deutlich schwächer. Eine Bluttransfusion konnte sie wieder ein wenig aufrichten.

Aufgrund der ungünstigen Spendersituation wurde das Blut von Sabines Familienmitgliedern nochmals genauer untersucht. Bei der Suche nach einem passenden Transplantationspartner werden 10 Gewebemerkmale bestimmt, bei Geschwistern und Eltern sind automatisch 5 davon übereinstimmend und die Gefahr einer GvH-Reaktion ist damit deutlich geringer. Sabines Bruder und Sabines Mutter weisen ansonsten nur circa 50% Kompatibilität auf, dies ist nicht besonders viel, aber unter erschwerten Bedingungen ist eine Transplantation machbar. Bei einer derartig schlechten Übereinstimmung werden daher nicht nur Stammzellen transplantiert, sondern auch Knochenmark, die Chemotherapie wird ebenfalls heftiger durchgeführt. Die Gefahr für Spender und Patient ist somit um ein Vielfaches höher. Der Entschluss zur Transplantation mit Sabines Bruder oder mit ihrer Mutter wurde trotz dessen gefällt. Es gäbe schließlich momentan keine andere Lösung: „Die Transplantation wird Mitte Ende Oktober in München erfolgen“, so Sabine. „Ich werde zunächst einer Chemotherapie unterzogen, um die Krankheit zurück zu drängen, nach drei Tagen Pause erfolgt eine schwerwiegendere Chemotherapie, um mein Blutbildungssystem auszuschalten. Außerdem eine Ganzkörperbestrahlung. Anschließend werde ich keine blutbildenden Zellen mehr besitzen. Mein eigenes Knochenmark ist dann ausgelöscht (in diesem Zustand funktioniert weder Krankheitsabwehr, noch Blutbildung noch Blutgerinnung, usw.). Das neue Knochenmark wird mir zunächst in Form einer Bluttransfusion zugeführt, wächst dies an, werden mir anschließend die Stammzellen gegeben und man wartet zwei bis drei Wochen, bis diese ebenfalls angewachsen sind und sich neue Blutzellen bilden. Wenn die Transplantation erfolgreich verläuft, beginnt hier mein neues Leben.“ Wenn die Stammzellen nicht anwachsen, können nach einiger Zeit erneut Stammzellen zugegeben werden. Oft kann dies jedoch nicht wiederholt werden, der Körper ist sehr geschwächt.

Am meisten Angst habe sie natürlich vor dem Tod, bekennt Sabine, und natürlich davor, nicht mehr heimzukommen, „aber das größte Problem ist die Hilflosigkeit, das Ausgeliefertsein, man kann selbst nichts dazu tun, um weiterzuleben.“

Sabines Aufenthalt in München wird bei erfolgreicher Behandlung acht bis zwölf Wochen dauern. Erwachsene können sie jederzeit besuchen, wenn sie selbst es wünscht. Bei Besuchen gilt die so genannte Umkehrisolation: Sabine ist in ihrem Zimmer allein, aber „unsteril“, die Personen, die zu Besuch kommen, werden steril gehalten (Schuhe, Mundschutz,...). Mit ihrem zweieinhalbjährigen Sohn Johannes wird sie lediglich telefonieren können, Besuche von Kindern sind nicht erlaubt. Er wird die meiste Zeit bei seinem Vater und seinen Großeltern in Mühlheim verbringen, außerdem wird Johannes ebenfalls in Hechingen betreut. Soweit sei alles vorbereit, damit im Oktober die Odyssee beginnen kann, die hoffentlich mit der glücklichen Rückkehr endet, egal wie hart die „Prüfungen“ in der Zwischenzeit sein mögen.







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